Einkaufen ist Liebe: Klassischer Einkaufsbummel vs. Online Shopping

Neulich hatte ich auf Facebook eine recht hitzige und ausgedehnte Diskussion über die Vor- bzw. Nachteile des klassischen Einkaufs und des Online Shoppings. Da wurde dann die Aussage „Einkaufen ist Liebe.“ getroffen. Das bezog sich auf den klassischen Einkauf im Laden um die Ecke.

Das hätte ich vor vielleicht 10 Jahren auch noch gesagt, heute sehe ich es anders und zwar nicht ausschließlich bei Lebensmitteln, sondern auch ganz klar beim Einkaufsbummel von Klamotten und Co. Das klassische Einkaufen in Geschäften macht mir bei Weitem nicht mehr so viel Spaß wie noch vor etlichen Jahren und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Unter der Woche komme ich nur nach Feierabend zum Einkaufen: Das Gedränge nervt, es kostet mich mindestens eine wertvolle halbe Stunde Zeit, die von den anderthalb Stunden abends mit meiner Tochter vor dem Zubettgehen abgehen.
  2. Wenn ich in einem Supermarkt nicht alles bekomme, was ich benötige, muss ich noch in mindestens ein weiteres Geschäft.
  3. Man kauft unter Umständen mehr ein, als man eigentlich benötigt.
  4. Ich muss die schweren Einkaufstüten nach Hause tragen.
  5. Ich hasse das Gedränge am Fließband hinter der Kasse: Man hat noch nicht all sein Zeug zusammengerafft und wird von hinten schon mit dem Einkaufsgut der nächsten Person weggeschoben.
  6. Die wenigsten Geschäfte sind so durchdacht, dass man problemlos mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer passieren kann: Das geht im Supermarkt schon am Eingang mit den Drehkreuzen und den Einkaufswagenrampen los. Den Kinderwagen kriege ich nicht durch’s Drehkreuz, um ihn unter der Rampe mit Kunststofflatten durchzukriegen, muss ich den Wagen schon auf nicht ganz ungefährliche Art und Weise kippen. Ich komme da gerade noch so wie beschrieben mit meiner Tochter durch, ein Rollstuhlfahrer ganz sicher nicht. Der muss erst beim oftmals genervten Personal um Hilfe bitten, damit das Drehkreuz beispielsweise zur Seite geschoben wird.
  7. In vielen anderen Geschäften bleiben mir die oberen Etagen gleich ganz verwehrt, weil es keinen Fahrstuhl oder wenigstens eine Rolltreppe gibt (auf die ich mit dem Kinderwagen theoretisch gar nicht drauf darf).

Im Zusammenhang mit Punkt 7 möchte ich auch mal auf das große, relativ neue Esprit-Geschäft in Frankfurt aufmerksam machen: Da waren ganz kluge Köpfe am Werk und haben alles barrierefrei gestaltet: Breite Gänge, ausreichend große Fahrstühle usw. Ich bin also mit meiner Tochter im Esprit, habe tatsächlich drei Artikel in der Hand und möchte in die Umkleidekabine. Tja, und da haben die klugen Köpfe aufgehört mit dem Denken, denn es gibt nicht eine einzige etwas größere oder gar behindertengerechte Umkleidekabine, in die ich den Kinderwagen mit reinnehmen könnte. Ich möchte weder die Kabine beim Umziehen offen lassen, noch möchte ich mein Kind im Wagen vor der verschlossenen Kabine allein lassen. Also habe ich die Sachen der nächsten Verkäuferin in die Hand gedrückt und bin gegangen, ohne etwas zu probieren oder gar zu kaufen.

Das soll Spaß machen? Oder gar Liebe sein? Und die Geschäfte wundern sich, warum es dem Einzelhandel schlecht geht und Online Shopping boomt?

Ein unerschöpfliches Thema, das ich bereits vor einigen Tagen auch in einem Kommentar zu meinem Artikel „e-Commerce-Liebling Amazon im Kreuzfeuer der Kritik“ angesprochen habe. Da schrieb ich, dass ich durchaus gern die regionale Wirtschaft durch den Einkauf im kleinen Laden oder Familienbetrieb nebenan fördere, sofern der Einkauf für mich als ressourcenorientierte berufstätige Mutter ebenso günstig, serviceorientiert und bequem zu erreichen ist und mir daraus eben keine Nachteile entstehen. Natürlich muss ich nicht beim Online-Riesen Amazon bestellen, aber Amazon ist bequem und der Service am Kunden aus meiner Erfahrung heraus sehr gut. Das bieten viele Läden um die Ecke nicht ansatzweise, auch nicht gegen Aufpreis. Öffnet der kleine Laden um die Ecke erst um 9 oder gar 10 Uhr und schließt um 18 Uhr, so stehe ich morgens vor der Arbeit und abends nach Feierabend schlichtweg vor verschlossener Tür. Und an einen Online-Auftritt mit Web-Shop ist nicht zu denken (eine vorbildliche Ausnahme bildet in dieser Hinsicht der Online-Weihnachtsbaum-Shop MK Weihnachtsbaumkulturen, ein kleiner Familienbetrieb aus dem Hochsauerland). So können die kleineren Ladengeschäfte mit den großen Mitbewerbern eben leider oftmals nicht ansatzweise mithalten …

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